Romina und Julia - Theatertextbuch - Georg Wintermann

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Romina und Julia - Theatertextbuch - Georg Wintermann

Die junge Sängerin Romina Bernstein hat einen Karriereknick. Ihr beleibter Agent Tom Rillenschneyder findet auch, dass ihr Zenit überschritten sei und treibt sie dazu etwas neues auszuprobieren denn ihre jahrelange höchst erfolgreiche Trällerei lässt sich nicht mehr verkaufen. Die eigenwillige Romina, in tiefer Hassliebe zu Tom, probiert dann auch gleich etwas aus, was dem Agenten völlig absurd vorkommt. Sie gräbt Julia Forrest aus, die sich ihre einstige Sängerkarriere kaputtgesoffen hat und will mit ihr ein mythologisches Musical aufführen. Noch dazu ein völlig unbekanntes! Rillenschneyder schlägt die Hände über dem Kopf zusammen ob soviel geschäftlichen Unverstandes.
Es kommt zu den ersten Proben der beiden Frauen, sie stellen eine gemeinsame Wellenlänge fest und kommen mit dem dubiosen Musical gut zurecht.

Auch Rillenschneyder war nicht faul. Er hat mittlerweile gecheckt, dass das Publikum großes Interesse an dem Duo Bernstein /Forrest hat und sich ihre Namen gut verkaufen lassen. Schon hängt er am Telefon und verspricht beiden Frauen, sich für ihre Produktion und ihr Management einzusetzen und er verhandelt bereits Verträge.
Doch just in dem Moment stellt Romina fest, dass ihre Partnerin scheinbar Probleme mit ihrer Vergangenheit hat, sie verpasst Proben, versingt sich häufig, wirkt oft unkonzentriert und scheint heimlich wieder zu trinken. Die ganze Produktion gerät in Gefahr. Romina will hinschmeißen, aber jetzt steigt Tommy in den Ring und versucht bei Gefahr für Leib und Leben das Stück und seine Verträge zu retten. Doch plötzlich tritt ein erschreckendes Geheimnis zutage ...

Uraufführung: 07.April.2006 an der Komödie Dresden

Regie: Jürgen Mai
Bühne: Sophie du Vinage
Kostüme: Josephine Rathgeber
Musikalische Leitung: Max Marcus Fritzsch
Choreografie: Mandy Partzsch / Dominique Lacasa

Besetzung:
Romina Bernstein: Dominique Lacasa
Julia Forrest Andrea Thelemann
Tom Rillenschneyder Herbert Graedtke

Theaterschaffenden und Mitgliedern des Deutschen Bühnenvereins bieten wir eine kostenfreie Leseversion.
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Textbuch gebunden



1 . S z e n e
Das Probenstudio von Romina Bernstein sieht unaufgeräumt aber irgendwie malerisch aus.
Man kann sich wohl fühlen.
Ein Tisch, mit Kaffeemaschine, Telefon, Faxgerät, einer professionellen Audioanlage viel
Papier, ein Kühlschrank.
Ein Kleiderständer. Ein zweiter kleiner Tisch und ein paar Stühle unterschiedlichsten
Aussehens.
Es ist Montag. Romina probiert an einem neuen Song. Schon bevor der Vorhang sich öffnet
hört man den Titel. Musik sehr eingängig.
Titel Nr. 1 "Schön, dass sie das sind"
Schön, dass Sie da sind,
Ich freu' mich, Sie wiederzuseh'n.
Ich habe versprochen,
Beim nächsten Mal wird's wieder wunderschön.
Sie fragen wann? Sie fragen Wo?
Ich sage jetzt in dieser Show!
Text auf Musik:
Wie viele von Ihnen wissen, habe ich gerade eine dreimonatige Babypause
gemacht. Das Baby ist aber nicht gekommen. Drei Monate sind zu kurz... sagt
mein Arzt, und: Für ein Baby brauchst du einen Freund, Romina.
Da stand ich im Regen, denn wenn ich einen Freund hätte, würde ich ihm
sagen...
Schön, dass du da bist,
Ich freu' mich, dich wiederzusehen.
Du hast mir versprochen,
Beim nächsten mal wird's wunderschön...
Die Tür wird aufgerissen Der Agent Tom Rillenschneyder, genannt Rilly, ein
verhältnismäßiger korpulenter Typ, stürzt herein. Romina bricht ab. Sie ist verärgert.
Romina: Mann, Rilly!
Rilly: Was soll der blöde Witz mit dem Baby?
Romina: Ich denke ja nach!
Aber ich habe hier auch eine Probe. Und ich besitze leider nur ein Gehirn.
Wenn du alle Nase lang hier angedackelt kommst kann ich weder nachdenken,
noch probieren.
Rilly: Gut,. gut, gut! Romina, ich habe mich entschlossen dir zu sagen wie es ist.
Romina: Du warst vor einer halben Stunde hier und hast mir gesagt wie es ist.
Rilly: Ich habe gesagt, ich will ab Herbst deine Tournee verkaufen, aber
die Veranstalter möchten wissen ob du neue Titel hast.
Romina: Und ich habe dir zwei neue Titel genannt und jetzt arbeite ich am dritten, der
die Show eröffnet.
Rilly: Ich habe gelogen.
Die Veranstalter wollten nicht wissen, ob du neue Titel hast, sie wollten
wissen, ob ich nicht jemand Neuen habe.
Romina: Was soll das heißen?
Rilly: Jemanden, der unverbraucht ist.
Romina: Sie wollen mich nicht mehr?
Rilly: Immer wenn ich deine Show ins Spiel bringe, fangen die Leute an zu stottern.
Bis jetzt kann ich 14 Verträge machen, das ist doch lächerlich.
Da macht man keine Tournee.
Die Leute brauchen was Neues! Verstehst du, eine neue Show!
Romina: Ich verstehe, ja! Du sprichst laut und deutlich.
Rilly: Kannst du dir nicht doch vorstellen, mit jemandem zusammenzuarbeiten?
Mit Mc Duff zum Beispiel. Der hätte sogar Zeit.
Romina: Pass mal auf, Rilly! Ich habe für euch einige Tourneen gemacht.
Extrakonzerte, Galaabende, alles! Benefizveranstaltungen. Allein! Und ihr
habt 'ne Menge Kohle eingefahren.
Und jetzt erklärst du mir, ich solle mir einen Partner suchen?
Noch dazu Mc Duff! Ich brauche keinen Mann der aussieht wie
Adonis, aber ’ne Stimme hat wie ein Joghurtbecher.
Rilly: Eric, zum Beispiel, hat einen Riesenerfolg, seit er mit Yasmina zusammen
singt.
Romina: Singen? Singen nennt man das jetzt?
Rilly: Das überlass' doch der Yellow Press.
Romina: Ach, hör auf.
Rilly: Romina, ich will dich verkaufen. Du bist ein Star und du bist gut. Das
wissen wir beide. Nur wenn du heute nicht die Kurve kriegst, dann kannst du
morgen in Disneyland Zuckerwatte verkaufen.
Hattest du mir nicht Mal so eine verrückte Oper von Bakerman gegeben? Das
war doch 'ne Art Musical, oder?
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
3 . S z e n e
Später Nachmittag. Beide Frauen auf der Probe. Sie sind sichtlich heiter bei der Sache.
Julia: Also Zeus hat sich gerade verwandelt und ist jetzt ein flotter
Hengst. Er umspringt mich?
Romina: Ja, er buhlt wie ein Gockel. Er ist verliebt in dich.
Julia: Warum der sich immer in Tiere verwandelt? Bei Leda war's ein
Schwan. Bei Leto ein Hengst. War der so hässlich oder
waren die Frauen damals pervers?
Romina: Äh?
Julia: Ich meine, würdest du es mit einem Pferd machen?
Zeus hatte doch ein Rad ab.
Romina: Er konnte ja sprechen als Pferd.
Julia: Stimmt. Das macht unheimlich an: ein sprechendes Pferd.
Da fall' ich sofort auf den Rücken.
Romina: Das ist Mythologie, Julia! In der Mythologie stimmt alles oder nix.
In der Mythologie muss man glauben, nicht fragen.
Julia: Das ist wie in der Religion. Also ich glaube jetzt!
Ich sehe Zeus als Hengst und glaube mich tritt ein Pferd.
Romina: Alles klar. Ich spreche jetzt die Zeus-Stimme rein.
Romina legt eine CD in den Player und nimmt die Fernbedienung mit.
Julia: Du sprichst die Zeus-Stimme rein.
Ich stehe hier. In der Mitte. Am Strand.
Romina: Ja. Ja genau. Ein leichter Nebel. Auf dem Nebel wird Zeus als
Lichtgestalt projiziert. Das verstärkt das Götterwesen. Töne.
Und warmes, gelbes Licht.
Im folgenden Untermalung mit Tönen. Leichter Seewind, Möwengekreisch.
Julia: Was ist das für ein warmes Licht?
Wie ich mich fühl', kenn' ich mich nicht.
Romina: Ich bin bei dir du Teufelsweib,
Begehre deinen reinen Leib.
Ich werd' dich lieben, Schönheit, du.
Rilly klopft kurz, reißt aber dann die Tür auf und platzt herein. Die Stimmung ist hinüber.
Rilly: Hört mal zu, Mädels…
Julia: Rilly! Wenn du ein Probenstudio betrittst, solltest du damit rechnen, dass
dort eine Probe stattfindet. Vor allen Dingen, wenn über der Tür die
Leuchte leuchtet.
Rilly: Ich wollte nicht stören…
Julia: Du hast uns in einer konzentrierten Phase unterbrochen.
Rilly: Okay, ich bezahle noch einen Bodygard, den ich euch vor die Tür stelle
und der mich regelmäßig verprügelt.
Julia: Hast du Zeit?
Rilly: Bei dir weiß ich nie, ob es besser ist mit Ja oder mit Nein zu antworten.
Es geht nur um eine Information.
Julia: Stell’ dich mal hierher. Romina gib’ ihm bitte dein Textbuch. Du bist
Zeus.
Rilly: Wer ist Zeus?
Julia: Tu’ nicht so ungebildet oder lies’ das Stück. Zeus ist ein schwitzender,
fetter, geiler, alter Bock, der sich in Tiere verwandeln konnte, weil er die
griechische Gottheit war.
Rilly: Ich weiß nicht, ob ich das sein will.
Julia: Du bist es! Du brauchst dich nur hierher zu stellen und den Text zu
lesen, als Pferd.
Rilly: Was denn nun? Als Zeus oder als Pferd?
Julia: Als Zeus, der sich in ein Pferd verwandelt hat.
Rilly: Das begreift doch kein Mensch im Publikum.
Julia: Das Publikum ist klüger als du denkst. Stell dich jetzt her und lies ab
hier, wenn die Untermalung losgeht.
Romina hat sich die ganze Zeit amüsiert, dabei aber ein paar Scheinwerfer eingestellt um
warmes, gelbes Licht zu machen. Dann bedient sie den Player. Lichtwechsel.
Romina: So. Warmes, gelbes Licht. Und, bitte!
Im folgenden Untermalung mit Tönen, wie gehabt. Ev. Nebel.
Titel Nr. 3 "Zeus’ Verführung"
Julia: Was ist das für ein warmes Licht?
Wie ich mich fühl', kenn' ich mich nicht.
Rilly: Ich bin bei dir du Teufelsweib,
Begehre deinen reinen Leib.
Ich werd' dich lieben, Schönheit, du.
Julia: Oh, Gott, was lässt mich nicht in Ruh?
Ich bin zerrissen und ich bebe,
Es hält mich nichts mehr in der Schwebe.
Rilly: Oh, spürst du mich? Ich bin dir nah.
Julia: Ich spüre deinen Atem, ja.
Kannst du an der Stelle nicht wiehern?
Rilly: Wie, wiehern?
Julia: Wiehern, wie ein Pferd eben. Hihihihihihi.
Romina lacht. Rilly fühlt sich sowieso nicht besonders wohl.
Julia: Du sagst, also Zeus als Hengst sagt:
Oh, spürst du mich, ich bin dir nah. Hihihihihihi.
Bisschen geiler noch, falls dir das gelingen sollte.
Darauf ich:
Ich spüre deinen Atem, jahahahaha.
Das ist doch komisch, oder?
Romina: Find ich auch.
Rilly: Oh, spürst du mich, ich bin dir nah, hihihihihihi.
Julia: Ich spüre deinen Atem, jahahahahaha.
Rilly wiehert noch mal kurz nach. Beide lachen.
Julia: Dein Wiehern klingt wie ein kastrierter Klepper.
Rilly: Ich kenne Pferde, die so wiehern.
Julia: Meinst du eigentlich, dass mir das jemand glaubt?
Romina: Was soll man dir glauben?
Julia: Hier in der Regieanweisung steht:
Leto, 20-jährig, sitzt auf einem Stein am griechischen Strand,
Dass ich auf einem Stein sitze, wird man mir glauben,
aber 20-jährig? Nicht, dass da die ersten höhnischen Lacher aus dem
Publikum kommen. Vielleicht ändern wir das auf 30-jährig?!
Rilly: Das Publikum ist klüger als du denkst.
Romina: Leto ist doch noch unberührt.
"Ich begehre deinen reinen Leib", sagt Zeus. Mit 30?
Julia: Vielleicht ist sie ein spätes Mädchen.
Romina: Du bekommst eine lange, blonde Perücke, Haare bis zum Gürtel
und so ein weißes, fließendes Kleid.
Romina gibt ihr eine Perücke.
Rilly: Und eine Maske.
Romina: Rilly!
Julia: Ich habe hier zwei Falten. Die sehen aus, wie das Profil von
Traktorreifen. Die haben 20-jährige nicht !
Rilly: Um die wegzuschminken, brauchst du keinen Maskenbildner, sondern einen
Stuckateur.
Julia: Ich setze die Perücke verkehrt rum auf.
Romina: Julia!
Julia: Oder ich lasse mich liften.
Rilly: Tolle Idee. Ich kenne einen guten Liftboy.
Julia: Gut, ich habe kein Problem damit. Ich habe kein Problem damit. Ich habe kein
Problem damit. Außerdem muss ich ja im zweiten Teil so aussehen, wie ich
wirklich aussehe.
Rilly: Erwartet ihr einen Beitrag oder möchtet ihr, dass ich dieser
Diskussion nur beiwohne.
Julia: Nein, wir machen weiter. Ohne deinen Beitrag. Also noch mal.















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