Ferienheim Bergkristall - Theatertextbuch - Hannes Hahnemann und Theresa Scholze

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Ferienheim Bergkristall - Theatertextbuch - Hannes Hahnemann und Theresa Scholze

Steht es noch? Läuft es noch? Das sagenhafte Ferienheim im wunderschönen Erzgebirge?

Stets war es ein Ort der guten Laune. Hier wurde gefeiert, gelacht und getanzt. Das FERIENHEIM BERGKRISTALL!
Heute jedoch ist dort nicht mehr viel los. 1991 wurde hier die letzte Carlsbader Schnitte gegessen, das letzte Coschützer verschüttet und der letzte Becher Tokajer Aszu konsumiert.

16 Jahre später kehrt ER endlich zurück: Der Gastronomie-Rambo für Arme, der hektische Macher an der Bockwurstfront, der Heimleiter aller Heimgeleiteten: OBERPICHLER!

Der ehemalige Leiter des Ferienheims hat es sich zur Aufgabe gemacht „die alte Dame“ wieder auf Vordermann zu bringen. Klar, dass sein alter Kumpel Alois Wachtel da mit anpackt. Doch vor den Erfolg haben die Götter den Schweiß gesetzt.

Mit Angstschweiß hat Oberpichler jedoch nicht gerechnet!
Was sind das für gruslige Käuzchenschreie und wo kommen diese geheimnisvollen Geräusche her? Was wollen all diese wildfremden Menschen von ihm, warum klingelt ein stillgelegtes Telefon, was erzählt Alois da von der sagenumwobenen weißen Frau und was um Gottes Willen hat Udo Lindenberg mit alledem zu tun? Egal! Bis zur Anreise der ersten Gäste ist (wie fast immer) kaum noch Zeit und so stürzen sich die Heimgeleiteten in die Arbeit, wobei recht schnell klar wird: Hier geht einiges nicht mit rechten Dingen zu …

Uraufführung: 23. November 2007 an der Komödie Dresden

Regie: Jürgen Mai
Bühne: Michael Dietze
Kostüme: Sybille Rauchfuß, Gerhard Kropp
Musikalische Leitung: Robert Jentzsch
Choreograpie: Mandy Partzsch
Regieassistenz: Karsten Frenz
Souffleuse: Anne Bräuer
Videoproduktion: Timo Fischer
Spezialeffekte: Thorsten Müller
Technischer Direktor: Matthias Ziesch
Technischer Leiter Dresden: Michael Dietze
Ton / Inspizienz: Thorsten Müller / Stefan Böhm
Beleuchtung: Martin Rößling / Timo Fischer
Requisite: Lars Hauswald / Lars Joachim
Maske: Christine Palme

Besetzung:
Alois Wachtel: Andreas Rüdiger
Helmut Oberpichler: Herbert Graedtke
Charly Heimboldt: Ulrike Mai
Kitty Bang: Lara-Isabelle Rentinck
Micha Goldstein: Veit Stiller
Samuel Friedmann: Philipp Richter
Computerspezialist, Telefonfachmann, Lieferant, Helge Schneider, Udo Lindenberg: Asfalt Hütte
Präsent-20-Mann: Torsten Pinkert
Die weiße Frau: Anne Waffel

Theaterschaffenden und Mitgliedern des Deutschen Bühnenvereins bieten wir eine kostenfreie Leseversion.
Bitte kontaktieren Sie uns hier.

Textbuch gebunden



2. Akt
1. Auftritt
Hotelhalle. Es ist am Morgen gegen 9:30 Uhr. Helle Stimmung. Alois räumt gerade
den letzten Karton weg. Besen stehen herum, Eimer, ein Vorschlaghammer,
Handwerkskiste. Es sieht deutlich nach Aufräumungsarbeiten aus. Oberpichler
steht auf der Leiter nimmt ein zugehangenes Geweih von der Wand. Klettert
herunter.
Oberpichler: Das muss alles erst mal in den Keller.
Alois, aus Keller: Ein Kellerraum hier ist voller bunter Klamotten. Da is keen Platz
mehr für mehr was!
Oberpichler: Da sind die alten Kostüme die wir immer für die
Silvesterprogramme gebraucht haben.
Alois ist wieder da. Währenddessen hat sich Oberpichler am gleichfalls verhangenen
großen Wandbild (100 x 80 cm) zu schaffen gemacht, was er nicht allein bewältigt.
Alois hilft beim Abnehmen.
Alois: So, geheizt habe ich erst mal, aber der Strang für die zweite
Etage geht nicht uff. Da klemmt das Ventil.
Oberpichler: Da kommt eins zum anderen.
Alois: Soll der alte Schinken och in den Keller?
Oberpichler: Ja, aber den stellen wir dann in den Schlittenraum.
Alois: Nicht so laut. Kitty Bang schläft in der ersten Etage.
Oberpichler: Und woher kennen Sie die?
Alois: Ich kenn Sie gar nicht. Hab nur den Namen schon mal gehört.
2. Auftritt
Dann tragen es beide in den Keller. Kaum sind Sie weg erscheint Charly
Heimboldt in Handwerkermontur mit Schiebermütze. Er scheint etwas
verunsichert. Guckt nach rechts und links, hüstelt dann, ruft vorsichtig „Hallo“.
Geht dann suchend in die Küche. Oberpichler und Alois kommen wieder.
Oberpichler: Aber eins ist klar Alois: Niemand erfährt von dieser
Rückübertragung. Wir machen so weiter als wäre nischt
geschehen. Wir müssen eröffnen.
Alois: Wollten Sie nicht Ihren Notar anrufen, wegen des Kaufvertrags
und ob alles seine Richtigkeit hat?
Oberpichler: Ja, der Telefonanschluß müsste heute irgendwann freigeschaltet
werden.
Alois: Ich denke, Sie haben sich ein Handtelefon zugelegt, mit Batterie.
Oberpichler: Ach, na eben. Ganz neu. Ein sehr teures Gerät. Das hab ich ja
bis jetzt bloß einmal benutzt. Früher hatte ich ein Billiges, aber
der Verkäufer war eine Fachkraft. Ein Mann in meiner Position
braucht ein besseres Gerät, hat er gesagt. So. Also hier muss
man erst mal drücken... dann hier... und....
Man hört das Fotografiergeräusch.
Alois: Was war denn jetzt das?
Oberpichler: Jetzt hat es fotografiert.
Alois: Ich dachte, Sie haben een Telefon gekooft?
Oberpichler: Ja, natürlich. Aber das kann auch fotografieren.
Alois: Haben Sie denn een Film eingelegt?
Oberpichler: Das ist digital, Alois. Ich muss jetzt hier drücken und dann den
dicken Knopf hier und jetzt kann ich die Nummer....
Es ertönt die Sprache einer Rundfunksendung.
Alois: Wen haste denn jetzt angerufen?
Oberpichler: Das ist das Radio?
Alois: Radio?
Oberpichler ist ein bisschen konfus und drückt ein paar Knöpfe. Der Wecker
läutet.
Oberpichler: Das ist der Wecker!
Alois: Een Teufelszeug. Donnerwetter! Is es denn och wirklich een
Telefon?
Oberpichler: Natürlich!
Heimboldt, aus off: Hallo!
Alois: Jetzt ist eener dran, am Apparat!
Oberpichler: Alois, Sie machen mich wahnsinnig.
Alois: Mich würde das Gerät wahnsinnig machen!
Charly Heimboldt kommt zurück.. Er sächselt leicht.
Heimboldt: Hallo!
Alois: Hallo!
Oberpichler: Guten Morgen, der Herr! Was führt Sie zu uns?
Heimboldt: Ich komme auf Ihre Annonce im „Sächsischen Boten“. Der
Haushandwerker.
Oberpichler: Ach, das ist ja wunderbar. Herr äh...?
Heimboldt: Heimboldt!
Oberpichler: Heimboldt. Ja, natürlich Heimboldt. Sie schrieben mir ja.
Heimboldt: Ja, ich schrieb Ihnen ein Schreiben.
Oberpichler: Mit sehr vielen, äh...
Heimboldt: Wörtern.
Oberpichler: Mit sehr vielen Talenten, haben Sie mir doch geschrieben. Sie
sind gewissermaßen eine Fachkraft, das Multitalent einer
Fachkraft.
Alois: Können Sie auch mit einem Fotoapparat telefonieren? Der ist
genital.
Oberpichler: Alois, bitte! Digital, meint er. Naja, was wir brauchen ist ein
Schlosser, Heizer, Klempner, Maurer, Tischler, einen Kraftfahrer,
und im Sommer einen Gärtner.
Heimboldt: Und was soll ich sein?
Oberpichler: Na alles, Herr Heimboldt. Sie werden festangestellt und wenn Not
am Mann ist müssen Sie auch durchaus mal Betten beziehen.
Heimboldt: Darf ich denn auch ein Gehalt beziehen?
Oberpichler: Darüber reden wir dann
Es klopft kurz an der Tür und dann kommt der Computerlieferer völlig außer Atem
herein. Stellt die Kartons ab.
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Alois: Sie sollten jetzt Ihren Drogisten anrufen. Hier kommt ja eins zum
anderen.
Oberpichler: Was denn für einen Drogisten?
Alois: Na, der Paragraphenheini…
Oberpichler: Ach, meinen Juristen. Ja, ja. Ich muss erst noch frei schalten
lassen. Wo war denn diese blöde Nummer?
Alois: 0800 330 1000.
Oberpichler: Hä?
Alois: Hab ich mir gemerkt.
Oberpichler: Sie haben sich diese Nummer gemerkt?
Alois: Ich hab mir alle wichtigern Nummern in meinem Leben gemerkt.
9. Auftritt
Oberpichler guckt ungläubig und geht ans Telefon. Währenddessen kommt
Heimboldt mit dem Sprungfederstuhl.
Heimboldt: So, der Stuhl ist schon repariert, Chef.
Oberpichler: Gut, das ging ja fix. Eben eine Fachkraft, Alois. Stellen Sie ihn
dorthin, ich muss dringend telefonieren!
Heimboldt: Gern, Herr Oberpichler.
Oberpichler: Wie war jetzt die Nummer?
Alois: 0800 330 1000.
Heimboldt stellt den Stuhl ab und in dem Moment springt die Sprungfeder
wieder heraus. (Dazu einen markanten Ton einspielen.)
Heimboldt: Hmm, ist wieder rausgesprungen.
Alois: Gut, dass Sies sagen. Hätten wir gar nicht gemerkt.
Oberpichler: Das macht doch gar nichts. Dann reparieren Sie ihn noch mal
richtig.
Heimboldt: Gern, Herr Oberpichler.
Heimboldt geht wieder mit dem Stuhl in den Keller.
Alois: So großherzig kenne ich Sie ja gar nicht.
Oberpichler: Der Heimboldt ist doch ein netter Mensch. Also rein männlich,
äh… menschlich wollte ich sagen. Wie war die Nummer?
Alois: Kannst du dir och mal merken. 0800 330 1000.
Oberpichler wählt und alsbald ertönt die Stimme der automatischen
Spracherkennung und der elektronischen Menüführung, die auch der Zuschauer
hört.
T-Com-Stimme: Guten Tag, hier ist der Kundenservice von T-Com. Herzlich
Willkommen. (Original Flupston der Telekom).
Oberpichler: Guten Tag, Oberpichler.
T-Com-Stimme: Über unsere Produkte und Services informieren wir Sie ebenfalls
im Internet unter www.t-com.de. Schauen Sie doch einmal vorbei.
Oberpichler: Noch habe ich ja keinen Internetanschluss, Fräulein.
T-Com-Stimme: Sagen Sie mir bitte worum es geht.
Oberpichler: Ich wollte eine Freischaltung….
T-Com-Stimme: Beratung,
Nachfrage zu einem Auftrag,
Rechnung oder Störung.
Oberpichler hält die Sprechmuschel zu.
Oberpichler: Die lässt mich nicht ausreden. Oberpichler mein Name, Hotel
Bergkristall.
T-Com-Stimme: Hm. Ich habe leider nichts verstanden.
Oberpichler: Oberpichler! Ich möchte eine Freischaltung.
T-Com-Stimme: Entschuldigung, das konnte ich nicht verstehen.
(Oberpichler: Na, sag mal! Ich bin doch nicht Hans Moser!) ???
T-Com-Stimme: Sagen Sie noch einmal:
Beratung,
Nachfrage zu einem Auftrag,
Rechnung oder Störung.
Oberpichler: Wenn Sie mir mal zuhören würden, Sie arrogante Schnepfe.
T-Com-Stimme: Tut mir leid, ich habe Sie nicht verstanden.
Oberpichler: Das kann ich mir denken, so was hört man nicht gern.
T-Com-Stimme: (original Flupston der Telekom).
Alois: Ich glaube, das ist ein Tonband. Keine echte Frau.
Oberpichler: Was? Die spricht doch wie eine echte. Wie eine normale
überkandidelte, unfreundliche Telefonkuh.
Alois: Da musst du deutlich reinsprechen, was die fragt.
T-Com-Stimme: Ich habe nichts von Ihnen gehört. Was ist Ihr Anliegen? (original
Flupston der Telekom).
Oberpichler: Aber was fragt die denn?
Alois: Nu höre mal druff!
Oberpichler: Hallo?
T-Com-Stimme: Vielleicht können Sie mir sagen, was Sie wünschen.
Beratung,
Nachfrage zu einem Auftrag,
Rechnung oder Störung.
Alois,flüstert: Deutlich sprechen!
Oberpichler,sehr dtl: Nach-frage zu ei-nem Auf-trag.
T-Com-Stimme: Eine Beratung also!
Oberpichler: Nein! Nachfrage zu einem Auftrag!!!
T-Com-Stimme: Habe ich Sie richtig verstanden? Nachfrage zu einem Auftrag?
Oberpichler: Ja, verdammt noch mal, muss man denn immer erst laut werden?
T-Com-Stimme: Haben Sie mit Ja geantwortet?
Oberpichler: Ja! Ja! Ja!
T-Com-Stimme: Also: Ja! Falls Sie ein Neukunde sind, sagen Sie: Neukunde.
Oberpichler: Neukunde!
T-Com-Stimme: Aha, ein Neukunde! Herzlichen Glückwunsch! Die deutsche
Telekom wird sich stets bemühen, dass Sie ein zufriedner Kunde
sind.
Oberpichler: Das kann die ihrer Oma erzählen. (Er grimassiert ins Telefon.)
Alois: Die hat keine Oma.
T-Com-Stimme: Eine Frage vorweg. Um unseren Service zu verbessern möchten
wir Sie durch Anrufe zum Thema befragen. Sagen Sie bitte, ob
Sie einverstanden sind, dass wir Sie anrufen.
Oberpichler, dtl.: Nein!
T-Com-Stimme: Aha, Sie wollen also nicht angerufen werden. Na gut, dann
brauche ich jetzt noch Ihre Nummer.
Oberpichler ist perplex. Wo hat er die Nummer? Er guckt fragend zu Alois, der
weiß Sie natürlich auch nicht, zuckt hilflos mit den Schultern.
Zwischendurch original Flupston der Telekom. Dann findet er sie.
T-Com-Stimme: Entschuldigung, geben Sie mir jetzt Ihre Festnetznummer um die
es geht.
Oberpichler, dtl.: 036878/ 6810
T-Com-Stimme: In Ordnung. Möchten Sie eine Änderung Ihrer Nummer? Einen
anderen Tarif? Oder ein Freischaltung?
Oberpichler: Eine Freischaltung!
T-Com-Stimme: Einen Moment bitte.
Es ruft, dann ein Knacken. Eine Männerstimme.
Männerstimme: Telekom-Service, Bernhard Rüsselberger-Klopf. Was kann ich für
Sie tun?
Oberpichler,überdtl.: Gut-ten Tag, ich hät-te ger-ne ei-ne Frei-schal-tung.
Männerstimme: Sind Sie Ausländer?
Oberpichler: Nein, Oberpichler. Ich bin kein Ausländer.
Männerstimme: Warum sprechen Sie dann so komisch?
Oberpichler: Damit Sie mich bes-ser ver-steh-en, Sie blöder Automat!
Männerstimme: Ich bin kein blöder Automat. Ich bin ein Blöder von der Telekom.
Oberpichler: Wahrscheinlich die weiße Frau!
Männerstimme: Nein, ich bin ein weißer Mann, schwarze Augen und Glatze. Aber
deshalb haben Sie doch nicht angerufen?
Oberpichler: Nein, ich wollte eine Freischaltung!
Männerstimme: Eine Freischaltung der bereits angegebenen Nummer?
Oberpichler: Ja. Ja! Ja! Ja!
Männerstimme: Einmal reicht, Herr Oberpichler. Geht klar. In 1 Minute können Sie
telefonieren. Auf Wiederhören, schönes Wochenende!
Alois: Das ist ja eene Tortur, so eene Freischaltung. Da wars ja leichter
den ersten Weltkrieg zu organisieren.
Oberpichler: So, jetzt rufe ich gleich meinen Anwalt an.
Er wählt, sofort klackt es und eine AB-Stimme.
AB-Stimme: Kanzlei und Notariat Dr. Meier. Am Wochenende sind wir nicht zu
erreichen. Sie können Ihr Anliegen aber gern aufs Band
sprechen.
Es ertönt ein Piepston und Oberpichler legt auf.
Oberpichler: Ich bin doch ein Mensch. Warum habe ich nur noch mit
Automaten zu tun?
Alois: Aber een Beweis haste. Die Telefoniererei funktioniert.
Oberpichler: Das ist ja auch ne Attraktion im 21. Jahrhundert.
Von oben hört man ein Klopfen. Es schabt und rasselt. Die beiden erschrecken
sich. Ein bisschen Putz bröckelt von der Decke.
Alois: Ist das ein Erdbeben oder Heimboldt in der Werkstatt?
Oberpichler: Das ist die Ratte von der Bauaufsicht.
Alois: Der nagt am Bau.
Oberpichler: Jetzt reicht es. Muss man sich den alles bieten lassen?
3. Akt
1. Auftritt
Das Hotel sieht schon wieder etwas besser aus, eine Art provisorischer Tresen ist
vorhanden. dort steht der Computer. Im Hintergrund ein großer Eisblock der
taut...
Oberpichler am Computerschirm. Er hat Fehlermeldungen und flucht. Der
Sprungfederstuhl steht repariert da.
Kitty Bang übt mit Heimboldt einen Tanz ein. Es läuft erzgebirgische Ra-ra.
rallala-Musik. Sie hat in der Hand eine Fernbedienung fürs Musikgerät.
Kitty: Herr Heimboldt, das ist ein erzgebirgischer Volkstanz. Der
Höhepunkt des Programms. Ihre Eurythmie könnte etwas
maskuliner wirken. Das was Sie machen ähnelt eher einem
Bauchtanz.
Oberpichler: Das ist doch Mist! Mist! Mist!
Heimboldt: Wie bitte?
Oberpichler: Nein, nein Herr Heimboldt, damit sind nicht Sie gemeint. Sie auch
nicht, Kitty. Mir gefällt das sehr gut. Dieses Internet macht mir zu
schaffen. Ich suche hier Bettwäsche unter Shopping.de und lande
immer bei der Tour de France unter Doping.de
Kitty: Tragisch.
(Heimboldt: Ich habe die Ungedopten immer gleich erkannt. Die hatten kein
Fahrrad.) ????
Oberpichler: Was soll denn das? Zugriffsverletzung bei Adresse 41309844 in
Modul VCL 30.dpt. Ich habe schon eine Nervenentzündung.
Heimboldt: Aha.
Kitty: Vielleicht tanzen Sie besser mit uns.
Oberpichler: Ich hab zwei linke Füße. Und zuviel im Kopf.
Kitty: Herr Heimboldt! Arbeiten wir weiter am Potpourri archaischer
Volkstänze.
Heimboldt: Woher können Sie denn so gut tanzen, Kitty?
Kitty: Ich war einige Zeit bei einer Gruppe der anonymen Stepptänzer.
Ich war im Kurs: Der Stepptanz als Appendix der oralen
Verbalterminologie. Wir lernten steppen ohne zu klappern.
Oberpichler: Ich könnte fenzen! Eine Virusmeldung. Ich hasse das Internet.
Kitty wirft die Musik, mit der Fernbedienung an. Oberpichler hämmert auf seiner
Tastatur.
Kitty: Also jetzt mit temporärer Eleganz. Tanz ist Schweben, wie
Terpsichore sagt, die Muse des Tanzes.
Heimboldt: Ich hab so ein Völlegefühl im Gehirn.
Kitty tanzt los. Heimboldt schließt sich an und es sieht nicht sehr geschickt aus.
Kitty: Und eins-zwei-drei, die Acht und Drehung, Hoppala.
Heimboldt: Wollte Herr Wachtel nicht auch mit tanzen.?
Kitty: Herr Wachtel besorgt ein Schaf im Dorf.
Heimboldt: Ein Schaf?
Kitty: Das soll zur Einweihung geschlachtet werden! Rararallala... Und
Wechselschritt.
Oberpichler: Das gibt’s doch nicht. Jetzt bin ich über die Bettwäsche in einem
Sex-Chatroom gelandet.
Oberpichler tippt auf den Tasten. Die anderen beiden unterbrechen ihren Tanz
und gucken auch auf den Bildschirm.
Kitty: Oh.
Heimboldt: Oho.
Kitty: Da können Sie eine Antwort eintippen.
Oberpichler: Komm zu mir, du Hengst! Ich fessele dich! Totaler Quatsch! Da
kann ich ja nichts mehr eintippen.
Heimboldt: Und wenn Sie hier drücken?
Er drückt eine Taste. Auto-Trabigeräusch von draußen.
Oberpichler: Achherrje. Bruno Banani. Das ist Unterwäsche!
Kitty: Oh, men’s wear. Sehr Banani. Hier sehen Sie “Bedwear”. Da
gibt’s Bettwäsche. Müssen Sie hier klicken.
Oberpichler klickt.
Oberpichler: Hä? Die Seite kann nicht dargestellt werden. Schwerer
Ausnahmefehler. Ich krieg die Motten!
Er haut auf den Bildschirm.
Kitty: Der Bildschirm kann nichts dafür. Es ist der Rechner da unten.
Oberpichler haut auf den Rechner.
Oberpichler: Das macht keinen Spaß, keinen Spaß!
2. Auftritt
Alois erscheint.
Alois: So, das Schaf habe ich auf dem Rücksitz draußen. Ich weiß nur
nicht, wohin jetzt. Der alte Schuppen draußen hat een
Dachschaden. Hab's grad gesehen, da regnet`s rin, da kann so
ein Tier nicht wohnen.
Oberpichler: Es ist doch nur für ein paar Tage.
Alois: Ja, aber wenn’s krank wird können wirs nicht mehr schlachten.
Da bring ich’s lieber in den Keller.
Oberpichler: Der Keller ist doch voll, Alois.
Alois: Dann bring ich’s in die Küche.
Kitty,Heimboldt,Oberpichler: In die Küche??!!!
Alois: Da ist es warm und die ist groß genug.
Kitty: Aber der Gestank?
Alois: Daran wird sich das Tier gewöhnen müssen.
Oberpichler: Na gut, aber durch den Hintereingang. Ich weiß gar nicht mehr,
wo ich mein nächstes Magengeschwür hinstecken soll.
Alois geht ab. Wenig später hört man das Schaf blöken.
Kitty: Wollten wir den Eisblock mit der Leiche nicht auch in die Küche
schaffen?
Heimboldt: Wann kommt eigentlich die Polizei?
Oberpichler: Die beiden, die für uns zuständig sind, haben zwei Wochen
Urlaub.
Kitty: In zwei Wochen stinkt der.
Heimboldt: Und die Maden werden sich einnisten.
Kitty: Da ist die Küche denkbar ungünstig.
Heimboldt: Wenn draußen wenigsten Minusgrade wären.
Oberpichler: Dass ist doch ein Phänomen. Da kühlt diese vermaledeite Truhe
ewige Jahre einen Präsent-20-Typen und ausgerechnet jetzt gibt
dieses Mistding den Geist auf.
Heimboldt: Vielleicht tragen wir ihn doch raus. Ist zumindest kälter als hier
drin. Das hält den Verwesungsprozess auf.
Oberpichler: Heimboldt, Sie sind eine wahre Fachkraft. Ich bin stolz auf Sie.
Heimboldt: Also worauf warten wir. Wir nehmen eine Decke, da ist es nicht
so kalt beim Anfassen.
Heimboldt nimmt eine herumliegende Decke wirft Sie über den Eisblock und die
Drei hieven ihn so, dass man das Element of Ice zur Tür hinausbugsieren kann. In
dem Moment kommt ein unverkennbar sprechender, migrationsquotenerhöhender
Lieferant für Lebensmittel, mit einer Sackkarre auf dem Getränkekästen und
Pappkartons gestapelt sind.
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3. Auftritt
Auftritt Heimboldt und Kitty mit Wärmflaschen aus Gummi. Sie rennen an den
beiden vorbei.
Heimboldt: Guten Tag!
Kitty: Guten Tag!
Dann stutzen beide, drehen sich um.
Heimboldt: Herrjeh, ist das eine Ähnlichkeit.
Kitty: Er sieht aus wie...
Heimboldt: Nee, wirklich.
Kitty: Sie sehen aus wie Udo Lindenberg.
Udo: Wie kommt Ihr denn darauf?
Heimboldt: Wir kennen den aus’m Fernseher.
Alois: Der hier heißt auch Udo.
Heimboldt: Sagen Sie mal: Sonderzug nach Pankow.
Udo: Gesunde Skepsis, Leute. Sonderzug nach Pankow.
Kitty: Das ist Udo Lindenberg! Aah! Ich bin eine große Verehrerin.
Heimboldt: Wir sind Fans, ehrlich. Herzlichen Glückwunsch.
Udo: Dito.
Kitty: Das ich das erleben darf. Udo, der Leibhaftige. Sie haben
bestimmt noch viele Verehrerinnen?
Udo: Naja.
Heimboldt: Werfen die noch immer Schlüpfer auf die Bühne?
Udo: Klar. Aber die Schlüpfer werden jetzt immer größer.
Alois: Herr Lindenstraße braucht hier ne Suite.
Heimboldt: Herzlich Willkommen!
Udo: Habt Ihr was mit dem Unterleib?
Heimboldt: Äh, wieso?
Udo: Wegen der Gummipullen da.
Kitty: Ogott, Udo, wir müssen jemanden warm machen.
Udo: So seht ihr auch aus.
Heimboldt: Wir sind gleich wieder da!
Kitty: Gleich wieder da. Fünf Minütchen.
Sie rennen die Treppe hoch.
Udo: Bizarr, hier.
Alois: Tja, wenn Sie der Udo sind und sich hier einrichten wollen, dann
bring ich Sie mal uff een Zimmer ruff. Uff unser Bestes. Ist aber
och das Teuerste.
Udo: Darum bitt ich aber auch.
Alois: Dafür ist unsere Bratwurscht im Sauerkrautmantel
ausgesprochen preiswert.
Udo: Hier tun sich ja Abgründe auf. Herrlich
Beide gehen die Treppe hoch. Das Schaf blökt in der Küche.
Musikmotiv. Zwei Damen kommen durch die Tür. Sie sind im zweiten Blich als
Goldstein und Friedmann auszumachen. Friedmann etwas strenger im Knierock,
Hackenschuhen und Brille. Goldstein im langen Rock und mit einem Kopftuch., damit
man den Bart nicht sieht. Sie gehen vorsichtig durch den Raum.





















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