Die Hexe Baba Jaga - Teil 2 - Theatertextbuch - Michael Kuhn / Georg Wintermann

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Die Hexe Baba Jaga - Teil 2 - Theatertextbuch - Michael Kuhn / Georg Wintermann

Dreizehn Jahre sind vergangen seit die böse Hexe Baba Jaga mit einem Zauber verwandelt wurde. Ruhe und Frieden herrschen seitdem im russischen Märchenwald.

Glücklich und zufrieden leben dort die Zwillingsschwestern Maschenka und Daschenka.
Maschenka ist ein gutes Mädchen, sehr zur Freude ihrer Eltern. Daschenka hingegen ist die faule und hässliche Tochter.
Als die beiden Mädchen eines Tages im Wald auf einen Fremden treffen, scheint es mit der Ruhe im Zauberwald vorbei. Denn dieser entpuppt sich als kein Geringerer als der Teufel persönlich – gekommen um die Macht im Zauberwald an sich zu reißen, jetzt wo Baba Jaga gebannt ist.
Doch der Bann hält nicht lang und durch ein Missgeschick kehrt die Hexe zurück.
Es kommt wie es kommen muss: Ein heißer Kampf um die Vorherrschaft im Märchenwald entbrennt.
Auch Väterchen Frost und seine dicke Schneeflocke Snegurotschka mischen sich ins bunte Treiben ein. Selbst Heinrich, der Hirsch mit dem goldenen Geweih, schaut nicht untätig zu, sondern begibt sich mit auf die wilde Jagd. Als dann noch Jean Pils, ein französischer Fliegenpilz auftaucht, scheint das Chaos komplett.

Ein Wettlauf um die Zeit beginnt: Wer gewinnt die Schlacht um die Vorherrschaft im Märchenwald? Schafft Baba Jaga es den Kampf für sich zu entscheiden oder ist der Teufel schneller? Oder siegt am Ende das Gute? ...

Uraufführung: 10.10.2008 an der Komödie Dresden

Regie: Olaf Becker
Bühne: Sophie du Vinage
Kostüme: Alexandra Tivig
Musik: Brandon C. Thomas

Besetzung:
Baba Jaga: Rainer König
Teufel: Moritz Manuel Michel
Maschenka: Margarethe Leopold
Daschenka: Beate Laaß
Heinrich: Ralph Martin
Jean Pils: Christian Kühn
Väterchen Frost: Ralph Martin
Snegurotschka: Angelika Mann
Babuschka: Angelika Mann
Nikita: Ralph Martin

Theaterschaffenden und Mitgliedern des Deutschen Bühnenvereins bieten wir eine kostenfreie Leseversion.
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Textbuch gebunden



I. Akt / 24. Auftritt

Das verzierte Fenster der Babuschka, welches sich öffnet. Musikeinsatz. Die Babuschka schaut

heraus. Während Babuschka plaudert hört man durchaus noch entfernten Kampfeslärm bzw. die

Bühne wird abgedunkelt und die Szene spielt, bis auf den Kampfeslärm, stumm weiter.

Babuschka:

sie im Märchenwald noch nie gesehen hatte.

Da kann man sehen, was verschmähte Liebe anrichten kann. Die Liebe und der

Hass wachsen am selben Zweig und führen in der Paarung des Bösen zum Duell

der Giganten. Und hier ging es ans Eingemachte. Unsere vor Angst schlotternden

Zwillinge sahen keinen Ausweg. Wer auch immer gewinnen würde, sie blieben

Gefangene des Siegers. Doch was war das? Gab es einen Hoffnungsschimmer....?

Hexe und Teufel bekämpften sich auf das Härteste. Eine Schlacht tobte, wie man

Lichtwechsel Bühne. Hexe und Teufel duellieren sich immer noch. Währenddessen kommt Jean im

Pinguingang angewackelt, überblickt kurz die Lage, befreit die Zwillinge aus dem Netz. Sie

rennen unbemerkt davon. Jean hinterher.

Lichtwechsel Babuschka.

Triumph, liebe Freunde Triumph! Dank Jean wurde diese Stunde für die Mädchen

der Tag der Befreiung. Nun machten sie sich rasch auf den Weg nach Hause. Doch

die Giganten der Schlacht wurden auch irgendwann müde...

Lichtwechsel Übergang auf die sitzenden, schwer atmenden, abgerissenen Kämpfer.

Teufel:

Pause! Sonst kollaboriere ich!

Baba Jaga:

Du Gehirnbonsai, das heißt nicht kollaborieren sondern kollabieren.

Teufel:

Das ist was anderes. Du meinst kondolieren.

Baba Jaga:

Kondolieren ist eine Trauerbezeugung, du Depp!

Teufel:

Ondolieren nennt sich das, du IQ-Schnepfe! Ondulieren!

Baba Jaga:

eindrehen.

Willst du mich zum Wahnsinn treiben, Amöbenhirn? Das ist sowas wie Locken

Teufel:

Das heißt kopulieren.

Baba Jaga:

Oha! Da brauche ich mich über meine verblasene Ehe nicht zu wundern.

Teufel:

Schluss! Weiter geht's! Ich mache jetzt kurzen Hexenprozess mit dir.

Baba Jaga:

der Giganten paritätisch verenden, lasst Schwerter schweigen und Hirne sprühen.

Moment, Moment! Es steht geschrieben: Wenn Strahlen der Gleichheit den Kampf

Teufel:

Wo hast du das gelesen?

Baba Jaga:

Im...äh..., Almagest des Ptolemäus.

Teufel:

Ach so. Dann lass es uns tun.

Baba Jaga:

Nikita bring das Buch.

Nikita erscheint sofort und bringt ein Riesenwerk. Bleibt im Hintergrund und liest. Ev.

Musik, Anlehnung an "Wer wird Millionär?"

Nikita:

A) Iwan, der Schreckliche?

B) Gott, der Allmächtige?

C) Johannes, der Täufer?

D) Jelzin, der Säufer?

Wer erschuf den Zauberwald Russlands?

Beide:

Äh, Ähm, äh... Ich hab's gleich!

Teufel:

Es war der Dingsbums.... mit der Nase.

Baba Jaga:

Der Fette mit dem Bart.

Teufel:

Iwan, der Schreckliche!

Baba Jaga:

Gott, der Allmächtige!

Der Teufel spuckt aus.

Nikita:

Ein Punkt für Baba Jaga!

Teufel:

Nikita, du hast wohl nicht mehr alle Nudeln in der Hose. Ich habe recht!

Nikita:

Bei Ptolemäus steht es anders.

Teufel:

Prekariatsgesindel. Kein Gespür für diplomatische Notwendigkeiten.

Steht es anders, steht es anders... Ach, du bist eben bloß ein Kohlenschaufler.

Baba Jaga:

1 : 0 für mich. Weiter.

Teufel:

Nikita?!?!?!

Nikita:

Förster des Märchenwaldes zwischen Tscheljabinsk und Nowosibirsk?

Wer wurde vor 1000 Jahren geboren und war der erste Herrscher und zugleich

Teufel:

Ich weiß es!

Baba Jaga:

Hör erst mal zu! Das ist die Regel.

Nikita:

B) Das Väterchen aus dem Frost?

C) Fjuri, das süße Fohlen?

D) Dieter, mit seinen Bohlen?

A) Die Christel von der Post?

Teufel:

Aha.

Baba Jaga:

Na, sag’s!

Teufel:

Ich nehm’ den Fifty-Fifty-Joker. (Ton von Jauch.)

Nikita:

Das ist richtig. Ein Punkt für Diabolus Sukkubus Luzifer!

Baba Jaga:

Hehehe! Das ist Betrug.

Teufel:

Unsinn!

Baba Jaga:

Er hat noch gar nichts gesagt.

Teufel:

Schweigen ist Gold.

Baba Jaga:

Nikita hat betrogen.

Teufel:

Nikita, das war überblöd.

Nikita:

Ich war doch angehalten....

Teufel:

Du sollst deinen Mund halten.

Baba Jaga:

Ich will einen anderen Spielmeister.

Teufel:

Soll ich Heinz Quermann aus dem Kessel holen.

Baba Jaga:

Nein, wir nehmen die Zwillinge, die sind loyal.

Teufel:

Ok, Nikita, pfeif ab.

Nikita pfeift ab.

Wo sind die Zwillinge?

Baba Jaga:

Hah? Wo sind die Zwillinge?

Teufel:

Zwillinge! Hallo, wo seid ihr, Zwillinge!!!

Baba Jaga:

Die heißen nicht Zwillinge, die heißen anders.

Teufel:

Anders, wo seid ihr?! Hallo, anders!

Baba Jaga:

Hast du kein Öl mehr auf der Lampe? Die Schnitten sind weg.

Teufel:

Was?

Baba Jaga:

Die sind abgehauen! Die haben sich befreit aus deinem Konsum-Netz.

Teufel:

Das haben sie gewagt? Mein Jungfrauenfleisch!

Baba Jaga:

willst doch der Herrscher des Waldes werden?

Meins auch! Ähi, Kruziteufeldrecksvermale... Hör mal zu Luzi, mein alter Ex. Du

Teufel:

Worauf du einen lassen kannst.

Baba Jaga:

Ich aber auch, ist das nicht verrückt.

Teufel:

Deswegen kämpfen wir ja hier.

Baba Jaga:

alle Dinge, die du zum Herrschen benötigst und ich besitze nicht alle Dinge.

Außerdem fehlt uns jetzt auch noch das Jungfrauenfleisch. Was hältst du davon,

wenn wir uns wieder zusammentun?

Mit nicht ganz lauteren Mitteln, du Satan. Aber Schwamm drüber. Du besitzt nicht

Teufel:

Nein, nein, nein! Nicht noch mal! Mir ist so schon schlecht.

Baba Jaga:

Ich meine, wenn wir uns zusammentun, politisch, sind wir mächtig wie nie.

Hör mir doch zu! Wir müssen ja nicht zusammenleben, mit Tisch und Bett und so.

Teufel:

Du meinst Große Koalition?

Baba Jaga:

zweites Reich und ein drittes Reich, und irgendwann geht die Weltmacht von

diesen russischen Wäldern aus und wir können regieren wie wir wollen und wer

nicht für uns ist wird abgekanzelt.

Erst beherrschen wir dieses Reich und versklaven alle, dann annektieren wir ein

Teufel:

Und du bist dann die Kanzlerin, was?

Baba Jaga:

Hmmm. Ich könnte mich breitschlagen lassen...

Teufel:

Das mache ich gern.

Baba Jaga:

Mich breitschlagen lassen, dir den Kanzler zu überlassen.

Teufel:

Wo ist der Haken?

Baba Jaga:

ich dir je geliehen habe, für deine exorbitanten Sauftouren.

Nur wenn du mir die Alimente der ganzen vergangenen Jahre zahlst und alles was

Teufel:

Du willst mein Geld! Huhuhaaaaa!

Baba Jaga:

willst und wirst unermesslich reich, wie die Gebrüder Albrecht.

Ja, aber bedenke: Wenn du Kanzler bist, kannst du soviel Steuern erheben wie du

Teufel:

Und du hältst dich zurück?

Baba Jaga:

Ach weißt du, ich bin eine arme, alte, hässliche und gebrechliche Frau...

Teufel:

Stimmt!

Baba Jaga:

Bundespräsidentin arbeiten.

Krrr. Ich werde mich als First Lady zurückziehen und vielleicht noch ein wenig als

Teufel:

Mein lieber Schwan! Das nenn ich klug. Nikita, bring die Geldsäcke!

Baba Jaga:

Nicht, dass er das falsch versteht und Rockefeller aus dem Kessel holt.

Teufel:

Die Säcke aus Stoff, Nikita!

Nikita erscheint sofort mit Säcken.

Teufel:

drin. Das ist der Rucksack, da ist Ruck drin. Das hier ist der Geldsack.

Oh, Mann! Das ist der Brotsack, da ist Brot drin. Das ist der Postsack, da ist Post

Nikita nimmt die anderen Säcke wieder mit.

Wie viel bekommst du?

Baba Jaga:

60 Millionen Rubel.

Teufel:

60 Millionen! Davon könnte ich ja zwei Manager abfinden.

Baba Jaga:

50 Millionen. Mein Rente ist klein.

Teufel:

30 Millionen. Das ist manchem sein Ganzes.

Baba Jaga:

40 Millionen.

Teufel:

20 Millionen.

Baba Jaga:

10 Millionen.

Teufel:

20 Millionen.

Baba Jaga:

30 Millionen.

Teufel:

wegtragen kannst und fertig.

40 Millionen! Äh, halt! Du hast mich verwirrt. Du nimmst jetzt soviel wie du

Baba Jaga:

Den ganzen Sack.

Teufel:

fertig.

Nein, aus dem Sack. Soviel wie du aus dem Sack jetzt mitnehmen kannst und

Baba Jaga:

Und du zählst nicht nach?

Der Teufel grinst und schüttelt den Kopf.

Baba Jaga:

Du hast Recht. Wer lange zählt, lebt lange.

Teufel:

schnell noch mal? Diesen Frostvater kaltstellen.

Als erstes müssen wir diesen Waldzausel, diesen Winterheini... Wie heißt er

Baba Jaga stopft Geld in ihre Taschen und es sich in den Mund und lacht grenzdebil.

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I. Akt / 26. Auftritt (mehrere Kurzauftritte)

Friedliches Waldstück. Auftritt Hirsch.

Hirsch:

machen.

Vielleicht bin ich ein Kapaun? Ein Breitmaulfrosch? Ich muss einen Elchtest

Hirsch wieder ab. Maschenka und Daschenka kommen gerannt.

Maschenka:

Ich weiß nicht ob das der Weg nach Hause ist.

Daschenka:

Mir kommt es hier auch so unbekannt vor.

Maschenka:

Ich habe Angst.

Daschenka:

Du immer mit deiner... Ich habe auch Angst.

Maschenka:

Wir dürfen uns nie mehr verlieren.

Daschenka:

finden.

Komm, wir gehen da weiter. Irgendwo müssen wir doch einen Anhaltspunkt

Maschenka:

Es sieht überall so gleich aus.

Beide ab. Auftritt Pilz.

Jean Pils:

als mich eine Nacktschnecke überholt hat. Wenn ich nur fliegen könnte. Dabei bin

ich ein Fliegenpilz. Aber ein Walfisch geht ja auch nicht zur Wahl. Ich muss

weiter, die Zwillinge suchen.

Diese Rennerei. Ich bin fertig! Dass ich nicht der Schnellste bin habe ich gemerkt

Pilz ab. Auftritt Teufel und Baba Jaga. Baba jammert.

Teufel:

Jetzt hast du die Taschen voller Geld und kannst nicht mehr Schritt halten.

Baba Jaga:

verschlungen.

Ich hab was Falsches gegessen. Mir ist schlecht. Ich habe zuviel Geld

Teufel:

Tss, was Falsches gegessen.

Mit dir soll ich zusammen regieren? Das geht ja gleich mit ´ner Verschuldung los.

Baba Jaga:

Vielleicht war es Falschgeld. Mir ist ganz schwarz vor Augen.

Teufel:

Es war Schwarzgeld. Sollte eigentlich nach Liechtenstein.

Baba Jaga:

Ich muss mal... hinter den Busch. Ich glaube, ich werde ein Haufen Geld machen.

Teufel:

Geld stinkt nicht.

Baba Jaga:

Hier bekommt der Begriff "Scheißgeld" eine völlig neue Bedeutung.

Teufel:

Wir verlieren wertvolle Zeit wegen deiner Geldgier.

Baba Jaga hinter dem Busch drückt. Man hört Klimpergeräusche.

Baba Jaga:

Kleingeld.

Ich verstehe das nicht. Ich hab’ doch nur Scheine gefressen. Jetzt kommt lauter

Teufel:

Du bist wahrscheinlich in den Wechseljahren.

Baba Jaga:

Auf jeden Fall rollt der Rubel.

Teufel:

Väterchen Frost wartet nicht auf uns.

Nicht dass dir jetzt noch einfällt das ganze Geld zu waschen. Wir haben es eilig.

Baba Jaga:

Ich lass es hier liegen. Schade, dass keine Bank da ist.

Die Hexe scharrt wie ein Hund der seine Duftnote verwischen will.

Teufel:

So vergräbt man Unsummen.

Baba Jaga:

Wir können. Das Geld ist gedeckt.

Teufel:

Dann Zwillinge einfangen, sobald sie Dreizehn sind, ihr Fleisch verzehren und

dann gemeinsame Übernahme des Throns.

Also, der Plan lautet: Den alten Frostvater greifen und ab mit ihm in meine Hölle.

Baba Jaga:

Genau! Vorwärts und nichts vergessen.

Beide ab. Windgeräusche.

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II. Akt / 5. Auftritt

Kaum sind sie soweit kommen Maschenka und Daschenka. Maschenka schluchzt

immer noch. sie sehen den Wegweiser nicht.

Maschenka:

So finden wir nie nach Hause.

Daschenka:

Mama und Papa.

Es ist als wäre der Wald verwandelt. Hier waren wir noch nie, auch nicht mit

Maschenka:

Wir dürfen uns nie verlieren, Dascha.

Daschenka:

Nein, Maschenka.

Beide umarmen sich..

Daschenka:

Wir sind jetzt gelaufen und gelaufen. Ich bin furchtbar müde.

Maschenka:

Dann leg dich hierher. Ich passe auf, dass niemand kommt.

Daschenka legt sich unter einen Baum.

Daschenka:

wenig.

Und wenn ich ausgeschlafen bin passe ich auf dich auf und du schlummerst ein

Maschenka:

Das ist gut, Daschenka.

Maschenka setzt sich neben Dascha, die den Kopf in ihren Schoß legt.

Maschenka singt ein Schlaflied.

Song Nr. 10 Maschenka "Schlaflied"

Maschenka:

Schlafe ein, Schwesterlein, schlafe ein.

Manchmal hast du auch Furcht und es lauert Gefahr.

Ich bin da, immerdar, für dich da.

Manchmal ist es nicht leicht immer heiter zu sein.

Maschenka schläft leider auch ein.

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II. Akt / 7. Auftritt

Die beiden Ungestalten schleichen sich an die schlafenden Mädels heran. Daschenka

schnarcht ein wenig.

Teufel:

Psst. sie schlafen fest. Huuhahaha!

Baba Jaga:

Lach nicht so dämlich, vor allen Dingen nicht so laut.

Teufel:

Das wird ein Geschrei geben, wenn wir sie wegschleppen.

Baba Jaga:

Zeremonie?

Luzi, mein kleiner Einstein, erinnerst du dich an unsere gemeinsame Atem-Hauch-

Teufel:

Meinst du die, die menschliche Charaktere ins Gegenteil verwandelt?

Baba Jaga:

Du hast es nicht vergessen?

Teufel:

Ich hab doch kein Schmalzeimer, oder wie das heißt.

Baba Jaga:

Alzheimer! Dann lass uns den magischen Tanz machen.

Teufel:

Hier ist die Rune!

Der Teufel macht mit dem Fuß ein Zeichen in den Boden. Dann vollziehen beide einen

grotesken Partner-Mimik-Tanz. Dazu Musikeinspiel. Der Tanz sollte auch

furchterregende Elemente beinhalten und deutlich werden lassen, dass dieser Zauber

nur zustande kommt, wenn die beiden ihn gemeinsam vollziehen. Nachdem die Hexe

scheinbar voll schlechter Energie gepumpt ist, geht sie zu Maschenka und haucht

der schlafenden Schönen mit einem langen Ausatmer (audiogestützt) den ozonfreien

Mief des Bösen durch die freiliegenden Körperöffnungen. Mascha räkelt sich kurz oder

stöhnt auf. Jetzt will die Hexe zu Daschenka gehen um gleiches zu verbrechen, doch

da ertönt ein Schrei aus dem Off: Haaaalt!

II. Akt / 8. Auftritt

Jean Pils kommt hektisch anpinguiniert.

Jean Pils:

Halt! Stop! Aufhören!

Teufel:

Was will dieser Radikalo hier?

Baba Jaga:

Mach, dass du fortkommst.

Die beiden Mädchen erwachen langsam. Maschenka wirkt merkwürdig. Jean ist angstvoll,

aufgeregt und mutig.

Jean Pils:

Ihr beiden werdet die Finger von den Mädchen lassen.

Teufel:

Irgendwie kenne ich diesen Akzent.

Baba Jaga:

Delikatesse. Halte ihn fest Luiz! Ich schnapp die Mädels.

Er sieht aus wie unsere nächste Pilzmahlzeit. Fliegenpilz mit Mottenbein – eine

Jean Pils:

No, no, no! Nur über meine Leiche!

Die Hexe geht zu den Mädels und schnappt sie an den Händen. Dascha versucht sich

loszureißen im Gegensatz zu Maschenka. Luzifer will den Pilz festhalten, doch der boxt

und der Teufel fällt aufs Hinterteil.

Teufel:

Au! Mein Steiß.

Er beäugt seinen Schwanz. Der Pilz wackelt schnell zu den Mädels und greift sie

ebenfalls an den Händen. Hexe und Jean zerren an den Mädels. Improvisations-Tumult.

Der Teufel, in der Zwischenzeit wieder aufgestanden, zerrt nun auch am Pilz. Er

schafft es den Pilz wegzureißen. Maschenka redet nicht und schreit nicht.

Jean Pils:

Haltet durch, Mädels! Vivat!

Jean summt die ersten Takte der Marseillaise. Das mag der Teufel gar nicht.

Teufel:

Ich reiß dir die Lamellen raus!

Der Pilz dreht sich, dann holt er sein Tibet-Salz heraus. Der Teufel will weiterhin den

Pilz bedrängen.

Jean Pils:

Komm mir nicht zu nahe!

Teufel:

Willst du mir Befehle erteilen? Du kommst in die Suppe.

Jean Pils:

Die werde ich dir versalzen!

Jean wirft eine Handvoll Salz in die Augen der gehörnten Rothaut. Der Teufel jault

auf.

Teufel:

Augen.

Jauuuul! Salz! Das ist Salz. Ich kann nichts mehr sehen. Baba hilf mir!!! Meine

Baba lässt die Mädchen los, geht auf den Pilz zu, der wirft Salz. Baba duckt und

schützt sich.

Baba Jaga:

Wir werden uns doch nicht von so einem Muskarinbeutel aufhalten lassen.

Jean Pils:

Hebe dich hinweg!

Teufel:

Es brennt! Hilfe!

Daschenka:

Noch mal Jean!

Pilz wirft wieder Salz auf die Hexe. Sie haut ab. Schnappt sich Mascha.

Baba Jaga:

Los, weg hier, sonst werde ich gepökelt.

Daschenka will Maschenka festhalten. Hexe in Richtung Teufel, der jammert.

Daschenka:

Maschenka

Baba Jaga:

Du hörst von uns!

Daschenka:

Mascha!

Maschenka:

Lass mich los, du hässliche Trulle!

Daschenka: Was ist mit dir? Maschenka: Du sollst abhauen! Ich will dich nicht mehr sehen! Jean Pils: Um Gottes Willen, sie haben es geschafft. Daschenka: Was? Maschenka: Weg. Lumpenpack! Jean Pils: Maschenka ist verwandelt. Baba Jaga: Komm zu mir, schöne Maschenka! Jean Pils: Das war die Hexe. Maschenka: Geht nach Hause. Trollt euch! Daschenka bricht in Tränen aus und geht zum Pilz. Maschenka zur Hexe. Baba Jaga: Braves Mädchen. Lasst uns los laufen. Komm Luzi, ich führe dich! Jean Pils: Geht zur Hölle, ihr gemeine Bande! Baba Jaga: Genau das werden wir tun. Teufel: Und dich kriegen wir auch noch, Erbfeind! Maschenka: Blöde Bagage. Daschenka: Mascha! Baba Jaga: Weg hier. Der Teufel rennt gegen einen Baum. Teufel: Oh, auch das noch. Baba Jaga: Guck doch hin wo du läufst. Teufel: Ich brauche einen Blindenhund! Baba Jaga: Was willst du denn mit einem blinden Hund? Halte dich fest. Teufel, Hexe und Mascha gehen ab. Daschenka weint immer noch. Daschenka: Was ist bloß passiert? Jean Pils: Mascha hat sie es geschafft. Ich war nicht schnell genug. Die Hexe wollte euch den Atem des Bösen einhauchen, als ihr schlieft. Bei Daschenka: Meine Schwester war so gemein, so giftig. Jetzt habe ich sie verloren. Man hört Vogelgezwitscher.


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